date_range 14.10.2026 - 14:00 Uhr
alarm 2:30
Referent: Andreas Heidrich, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D.
Fortbildung gemäß FAO § 15 im Strafrecht
2,5 Stunden Live Webinar. Planen Sie bitte zusätzliche 15 Minuten Pausenzeit ein.
Teilnehmer (nur wenn abweichend vom Besteller):
+2,5 stündiges Webinar: Andreas Heidrich, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D. zum Thema: Rollen, Roben, Resonanzen: Die Psychologie in der strafrechtlichen Hauptverhandlung.
Jede juristische Tätigkeit besteht letztlich aus der Interaktion mit anderen Menschen.
Jeder Beteiligte hat seine eigene Befindlichkeit, seine eigenen Interessen und Perspektiven und nicht zuletzt seine Biases.
Der Stellenwert der "reinen Juristerei" in einem Verfahren wird weit überschätzt.
Meist sind es ganz andere Dinge, die das Ergebnis beeinflussen - die juristische Begründung folgt nach.
Dieses Phänomen wird als "post-hoc Rationalisierung" bezeichnet.
Die Kenntnis über die psychologischen Mechanismen, die in der Interaktion der Verfahrensbeteiligten wirksam werden, ermöglicht es erst, vom Zuschauer zum Akteur zu werden.
In diesem Seminar werden
- die Akteure einer Hauptverhandlung, ihre Interessen, Zwänge und Nöte sowie
- typische Fehlleistungen beleuchtet und
- spezifische Folgerungen
für ein erfolgreiches Agieren in der Hauptverhandlung besprochen.

Andreas Heidrich war bis 2026 Vorsitzender Richter am Landgericht Karlsruhe und leitete seit 2014 eine Große Strafkammer. Zuvor war er als Staatsanwalt sowie als Richter am Landgericht und Richter am Oberlandesgericht tätig.
Seit über 30 Jahren ist er in der juristischen Ausbildung engagiert, unter anderem als Repetitor, Referendarausbilder, Lehrbeauftragter an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Ludwigsburg sowie als Referent der Justizakademien in Hessen und Baden-Württemberg und in der Fachanwaltsausbildung.
Die goldwerth-Webinare finden ausschließlich auf der Software-Plattform "Zoom" statt. Zur Teilnahme an diesem Webinar brauchen Sie eine stabile Verbindung ins Internet, einen Computer (PC, Notebook mit IOS, Windows oder Linux) oder ein mobiles Endgerät (IOS oder Android) mit einer Wiedergabemöglichkeit für Ton (Lautsprecher, Kopfhörer etc.). Kamera oder Mikrofon sind erwünscht, aber nicht notwendig. Die ZOOM-Zugangsdaten finden Sie der guten Ordnung halber bereits angedruckt auf Ihrer Rechnung.
Am Werktag vor dem Veranstaltungsdatum erhalten Sie eine "Erinnerungsmail" mit den Zugangsdaten und einem link, der Sie unmittelbar zu diesem Zoom-Webinar führt. (Bei kurzfristiger Anmeldung erhalten Sie die Email unmittelbar vor Seminarbeginn).
Andreas Heidrich, Vorsitzender Richter am Landgericht a. D., behandelt die psychologischen und verhaltensbezogenen Einflussfaktoren in der strafrechtlichen Hauptverhandlung. Im Mittelpunkt stehen nicht allein juristische Verfahrensfragen, sondern insbesondere die Wahrnehmung, Interessen, Belastungen und kognitiven Verzerrungen der verschiedenen Verfahrensbeteiligten.
Adressiert werden vor allem Strafverteidiger. Der Referent verfolgt einen ausgesprochen praxisorientierten Ansatz und zeigt, wie Verteidiger mit Zeugen, Sachverständigen, Dolmetschern, Schöffen, Staatsanwälten und Berufsrichtern umgehen können und welche taktischen, kommunikativen und prozessualen Überlegungen dabei eine Rolle spielen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Aussagepsychologie. Unterschieden wird zwischen bewusst unwahren Aussagen, irrtumsbedingten Falschaussagen und subjektiv ehrlich vorgetragenen, aber fehlerhaften Erinnerungen. Erläutert werden unter anderem die Aussagetüchtigkeit, Wahrnehmungs- und Gedächtnisfehler, Suggestibilität, Fehlattribution sowie die Bedeutung von Realkennzeichen und Konstanzanalysen.
Daneben werden Sachverständigengutachten ausführlich behandelt. Anhand von Beispielen aus der Unfallrekonstruktion, der Aussagepsychologie und der forensischen Psychiatrie wird dargestellt, wie Anknüpfungstatsachen, Untersuchungsmethoden, Hypothesenbildung und fachliche Grenzen eines Gutachtens kritisch überprüft werden können. Das Seminar enthält hierzu konkrete Hinweise für die Vorbereitung, die Befragung des Sachverständigen in der Hauptverhandlung sowie für die Prüfung eines weiteren Gutachtens oder eines Befangenheitsantrags.
Weitere Themen sind der sachgerechte Umgang mit Dolmetschern und Schöffen sowie die Kommunikation mit Staatsanwälten und Berufsrichtern. Besonders betont wird, dass die Verfahrensbeteiligten nicht nur durch Rechtsnormen, sondern auch durch Zeitdruck, Erledigungsdruck, emotionale Belastungen und institutionelle Interessen geprägt werden.
Zuletzt werden typische kognitive Verzerrungen erläutert:
der Ankereffekt bei der Strafzumessung,
das Festhalten an einer frühen Verdachtshypothese,
der Confirmation Bias,
der Halo-Effekt sowie
Priming und dessen mögliche Bedeutung für Gespräche und Verhandlungen.
Abschließend werden praktische Folgerungen für die Vorbereitung, den Beginn und die Durchführung der Hauptverhandlung, das Plädoyer und den Umgang mit schwierigen Situationen formuliert.
Der Referent verfügt aufgrund seiner früheren Tätigkeiten über eine ausgeprägte Praxiserfahrung und eine authentische Innenperspektive auf gerichtliche Entscheidungsprozesse. Neben zahlreichen Fallbeispielen und taktischen Hinweisen sind die Abschnitte zur kritischen Prüfung aussagepsychologischer und psychiatrischer Gutachten besonders wertvoll.
Das Webinar ist als praxisorientierte Fortbildung für Strafverteidiger empfehlenswert. Es verbindet juristische Erfahrung mit aussagepsychologischen und kommunikativen Gesichtspunkten und kann insbesondere dazu beitragen, die Vorbereitung und Durchführung strafrechtlicher Hauptverhandlungen bewusster, strukturierter und fehlerresistenter zu gestalten.